top of page

Ein kurzer Augenblick

Steinkautz (Athene noctua)
Steinkautz (Athene noctua)

Es ist 21:30 Uhr als ich meine Fahrt von Konstanz zum Kaiserstuhl starte. Von Müdügkeit keine Spur, denn ich erwarte eine spannende Nacht und auch einen spannendern Tagesanbruch. Kurz nach 23:30 Uhr erreiche ich exakt den Ort, an dem vor ein paar Wochen ein Foto vom Steinkautz meinen langen und anstrengenden Tag krönte.


Mit meiner Wärmebildkamera suche ich die Umgebung ab, die aus Weinreben und unter anderem, aus vielen alten Obst-- und Todbäumen besteht. Immer wieder zeigen sich Füchse und Mäuse. Aber was für mich viel interessanter ist, sind helle Wärmeflecken in Baumhöhlen oder auf Ästen. Glücklicherweise könnte ich einige wenige entdecken, so dass meine Hoffnung wuchs, im Morgengrauen diese wunderbaren Wesen fotografieren zu dürfen.


Der Steinkautz gehört zu den kleinsten Eulenarten Europas. Das Verbreitungsgebiet des Steinkauzes erstreckt sich über Eurasien und Nordafrika. Er ist ein charakteristischer Bewohner der Baumsteppe mit spärlicher oder niedriger Vegetation und jagt bevorzugt auf dem Boden. Ein einmal gewähltes Revier besetzt er meist über mehrere Jahre und zum Teil sogar lebenslang.

Im deutschen Sprachraum ist der Name „Steinkauz“ Hinweis darauf, dass diese Eulenart nicht nur in Baumhöhlen, sondern auch in Scheunen, Kapellen und Weinkellern aus Stein brütet. In Mitteleuropa gehen die Steinkauzbestände seit einigen Jahrzehnten stark zurück. Hauptursache dieses Rückgangs ist die Zerstörung von Lebensräumen, die dem Steinkauz geeignete Umweltbedingungen bieten (Quelle: Wikipedia)


Der Handywecker klingelt um 5:00 Uhr. Es ist noch dunkel, ich bin aber hellwach. Dann geht alles sehr schnell....rein in die Tarnkleidung, Kamera checken, Akkus einstecken und los geht's.


Wieder sehe ich mit meiner Wärmebildkamera einen Fuchs. Direkt 20 Meter vor mir, pirscht und jagt er.

Aber er ist nicht mein Objekt heute morgen. Einige nachtaktive Vögel - es können nur Eulen bzw. meine Steinkäutze sein - sehe ich auf diversen Ästen von Todbäumen sitzen. Jetzt heißt es Ansitzen, warten, warten und warten...Ein Feldhase raschelt hinter mir in den Weinreben....ein schöner Fotomoment.



Es dämmert und ich muß aufmerksam sein. Man kann sich das ja nicht so gut vorstellen, aber es macht etwas mit enem, wenn man auf der 'Jagt' ist, vor allem wenn das Zeitfenster für die Beobachtung von Eulen eigenlich sehr knapp ist. Weit weg, etwa 50-60 mtr. sitzt ein Käutzchen auf dem Baum, aber da es noch recht dunkel ist, entstehen nur ein 'Beweisfoto'.




Ich behalte aber einen speziellen Baum immer im Auge. Auf diesem sind viele Baumhöhlen und da saß auch damals der Kautz für in paar Augenblicke. Aha...da schau mal her...ganz unscheinbar und so gut wie unsichtbar sitz einer versteckt hinter einem dicken Ast. Nach kurzem Warten kann ich doch noch ein respektables Foto schießen. Freude kommt auf. Das ist wie beim Steinpilzesuchen.... hier einer, dort einer...also gitbt es auf jeden Fall noch Hoffnung auf mehr.



Jetzt pirsche ich mich zu einer besonderen Stelle an...einer Wiese mit alten Obstbäumen und unglaublich schönen Baumstümpfen mit einem im unteren Bereich angebrachten Brutkasten. Hier wird hoffentlch mein naiver Traum wahr. Ein Steinkautz auf einem verwittereten Todbaumast, freigestellt vom Hintergrund. Nun ja, träumen darf man ja. Doch plätzlich entdecke ich einen, der auf einem kleinen Hang neben dem Todbaum sitzt und auf Beute lauert....Wahnsinn!..da kommt plätzlich ein zweiter angeflogen. Wie krass ist das denn?!!



So schnell, wie ich sie fokusieren und fotografieren konnte, sind sie auch schon wieder aufgeflogen. Irgendwo müssen sie sein....irgendwo in der nahen Umgebung. Und plötzlich sah ich einen der beiden Käutzchen auf dem Brutkasten sitzen. Wie cool!!



Wo ist wohl die andere Eule?...mein Blick streift nach oben und ich kann meinen Augen nicht trauen....mein 'Picture Of The Day' wartet. Ein Steinkautz auf dem Todbaumast!!! Ein Träumchen für jeden Natur- und Wildlifefotografen.




Was möchte man mehr....nachdem die beiden Steinkäutze weggeflogen sind, habe ich sie auch nicht mehr wieder gesehen.


Das hieß für mich: Ortwechsel. Und zwar nach Ihringen, dorthin, wo ich mit meinen Foto-Kollegen vor ein paar Wochen die Bienenfresser fotografieren durfte. Meine Recherche im Internet ergab, dass sich Bienenfresser Ende Juli / Anfang August sammeln - d.h. Jung- und Altvögel sich nochmal ein fettes Poster anfressen, bevor sie Ihre lange Reise in Ihre Überwinterungsgebiete im westlichen Afrika, oder Angola antreten. Hier habe ich eine massiv hohe Erwartung gehabt, viele Bienenfresser zu sehen, aber wurde enttäuscht und musste die Tatsache hinnehmen, dass alle bereits Ihre Reise angetreten haben...kein einziger Bienenfresser war mehr da.


Aber dafür konnte ich noch ein paar schöne Fotos vom Grauschnäpper machen.


Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Grauschnäpper (Muscicapa striata)

Ihr Verhalten ist deutlich auffälliger als ihr Gesang. Sie sind nämlich kleine Ansitzjäger, die auf einer exponierten Warte sitzen und auf vorbeifliegende Insekten warten. Sobald diese in die Nähe kommen, jagen Grauschnäpper in aufwendigen Flugmanövern hinterher, um sich dann wieder auf der Sitzwarte niederzulassen (Quelle: NABU)


Zwischendurch flogen Schwarzkehlchen nähere Büche an. Diese konnte ich grandios beobachten und aber auch prima Fotos machen.


Schwarzkehlchen Männchen Saxicola rubicola
Schwarzkehlchen Männchen Saxicola rubicola
Schwarzkehlchen Weibchen Saxicola rubicola
Schwarzkehlchen Weibchen Saxicola rubicola

Schwarzkehlchen gehören genau wie Rot-, Blau- und Braunkehlchen zur Familie der Fliegenschnäpper, eine artenreiche Gruppe, die nah mit den Drosseln verwandt ist. Sie brüten in offenen Gebieten mit einzelnen Sträuchern, wo sie ihre Nester auf dem Boden oder unmittelbar darüber anlegen. Beide Geschlechter kümmern sich um die Aufzucht der vier bis sechs Jungvögel. Bis zu drei Bruten können die Schwarzkehlchen in einem Jahr großziehen (Quelle: NABU)


Gegen Mittag wurde es unerträglich heiß und die Beobachtung wurde zur Tortour. Deshalb habe ich beschlossen nochmal beim Steinkautz-Spot vorbeizusehen und vielleicht doch noch ein Abhschluss-Foto vom kleinen Gelbauge zu machen.


Er zeigte sich mich nochmal für einen kurzen Augenblick und verschwand, so wie ich es dann auch in Richtung Heimat tat.




Ich hoffe, Euch hat mein Blog gefallen und freue mich auf Eure Komentare bzw. eine Bewertung. Danke vorab

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
  • Facebook Social Icon

'Nicht ich suche meine Motive aus, es ist vielmehr so, dass meine Motive mich finden'

Künstler und Photovisionär Radovan Duschek

+49 (0) 75 31 5 66 55

© 2018 Radovan Duschek

Zum Hussenstein 3  -  D-78462 Konstanz

bottom of page